Barfuß hinter’m Gartenzaun

Ein halbes Jahr ist nun vergangen und es wird Zeit, einen kleinen Rückblick auf unser neues Abenteuer zu wagen. Vor etwa sechs Monaten haben wir unser kleines Häuschen mit dem großen Garten direkt zwischen Pferdekoppel und Wald bezogen und richten uns immer noch nach und nach ein.

In manchen Momenten ist es immer noch seltsam, neu und wir haben den Gedanken, gleich wieder alle Sachen packen und nach Berlin fahren zu müssen.  Die Gefühle sind ganz unterschiedlich, von Vermissen über Freude bis hin zu Ängsten und Hoffnungen ist alles dabei. Ein bestimmtes Gefühl mischt sich aber immer mehr unter dieses Potpourri an Emotionen: Freiheit. Wir fühlen uns hier auf dem Land unglaublich wohl und frei. Dass wir keine echten Stadtmenschen sind, war schon lange klar aber jeder neue Tag hier zeigt uns, wie gesund die Entscheidung war. Keine Güterzüge sondern Pferdegetrappel. Keine Flugzeuge sondern Unmengen an Vögeln. Keine Busse, die vor der Haustür halten. Keine Autos, die nachts mit 100km/h durch die Stadt rasen. Ach, ich könnte so viel aufzählen, was uns bewusst und unbewusst gestresst hat. Hier fühlen wir uns nun Zuhause und gut aufgehoben. Wir können im Garten unser Gemüse anbauen und sogar einfach spontan unser Mittagessen über dem Feuer kochen. Oder einfach am Abend noch schnell an den Strand fahren, weil das Licht so schön und die Luft so frisch ist.

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Neues Jahr, neue Erdenbürger – Einblick in ein Fotoshooting mit Neugeborenem

2019 ist da und schon wieder rasen die Tage dahin. Bereits in der ersten Woche durfte ich einen 2 Wochen alten Jungen fotografieren, der seelig schlummernd in den Armen seiner Mama lag, als sie mir die Tür öffnete. Eine Familie, die gerade ein neues Mitglied begrüßt und kennenlernt ist in meinen Augen etwas ganz Magisches, aber auch Verletzliches. Alles ist neu, selbst, wenn es das zweite oder dritte Kind ist. Oft ist man müde, erschöpft oder mittendrin im Hormonchaos.
Deshalb plane ich für ein Neugeborenenshooting nie mehr als eine Stunde ein, die reine Fotozeit liegt oft zwischen 30 und 45 Minuten. Dann ziehe ich mich aus der Babywolke wieder zurück und lasse die Familie kuschelnd auf dem Sofa.

In dieser Stunde komme ich kurz an, frage euch, wie es euch geht, begrüße euer Kind/ eure Kinder und fange ganz langsam an, euch so zu fotografieren, wie ihr seid. Ich gebe hier und da kleine Anweisungen, positioniere oder drehe euch. Ich versuche verschiedene Konstellationen: das Baby mit dem Papa, mit der Mama, mit Geschwistern und allein. Ich achte auf besondere Details und Momente, an die man sich in einigen Jahren gern zurück erinnert. Alles möglichst mit dem vorhandenen, natürlichen Licht. An besonders dunklen Wintertagen habe ich eine Tageslichtlampe dabei, um den Raum aufzuhellen. Blitzlicht und aufwendige Inszenierungen passen nicht zu meinem Stil der natürlichen und authentischen Familienfotografie.

Oft werde ich gefragt, was ein guter Zeitpunkt für ein Neugeborenenshooting ist und es fällt mir schwer, das so konkret zu beantworten. Denn jede Zeit hat etwas ganz Besonderes und ist es wert, dokumentiert zu werden. In den ersten Tagen und Wochen schlafen die Babys sehr viel. Das bedeutet, sie verschlafen auch oft das Fotografieren und scheinen sich davon nicht stressen zu lassen. Oft bemerkt man die Unruhe dann allerdings am Abend, denn natürlich bekommen die Kleinsten schon mit, dass da etwas passiert. In dieser Zeit würde ich also nur ein Fotoshooting empfehlen, wenn ihr euch wirklich gut fühlt, Ruhe habt und euch nicht von einer unaufgeräumten Wohnung oder der Frage nach der perfekten Kleidung für die Fotos in Panik versetzen lasst.
Etwa 2 bis 4 Wochen nach der Geburt empfinde ich viele Babys als wach aber neugierig und entspannt. Oft liegen die Kleinen ganz ruhig da, verfolgen das Klicken der Kamera mit den Augen, schlafen zwischendurch mal ein oder stillen. Falls ich also eine konkrete Antwort geben müsste, wäre das für mich wohl der beste Zeitpunkt für einen Fototermin. Selbstverständlich bestätigen Ausnahmen die Regel.
Nach diesen ersten vier Wochen pegelt sich langsam ein Alltag ein, zwar gilt immer noch die Zeit des Wochenbettes, jedoch werden viele Eltern aktiver und die Kinder manchmal unruhiger. Die Wachphasen verlängern sich, erste Dauerstillphasen kündigen sich an. Aber manchmal wird auch erst jetzt alles ruhig und der Kopf frei für eine Dokumentation des Alltags.

Ihr seht also, der perfekte Zeitpunkt ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Solltet ihr an einem Fotoshooting nach der Geburt interessiert sein, schreibt mir gern eine E-Mail an maria@herzogfotografie.de

Die Kosten hierfür betragen 150 Euro (zzgl. eventueller Fahrtkosten) und ihr erhaltet im Anschluss mindestens 15 bearbeitete Fotos als Datei.

Run Wild

Es ist kein Geheimnis, dass mein Herz für wilde Schuhe schlägt. Deshalb möchte ich euch heute ein bisschen mehr über meine Füße, das barfuß laufen und die Firma Wildling Shoes erzählen.

Seit ich ein Teenager war, hatte ich Probleme mit meinen Füßen. Knick-Senk-Spreißfuß, Hallux Valgus, Krallenzehen – das waren die Diagnosen und Einlagen die angebliche Lösung. Jedoch bekam ich davon nur noch mehr Schmerzen und alles verschlimmerte sich. Als ich dann Marco kennen lernte, der selbst meist barfuß unterwegs war, ließ ich mich inspirieren und schmiss alle Einlagen in den Müll. So oft es ging ließ ich Schuhe und Socken weg und konnte von Tag zu Tag, von Woche zu Woche merken, wie sich Muskeln aufbauten und sich Sehnen wieder dehnten. Als mich dann eine Freundin im Herbst 2015 auf die Crowdfunding Kampagne einer neuen Schuhfirma aufmerksam machte, war ich sofort neugierig und bestellte für mich und unseren Sohn jeweils ein Paar. Wer hätte gedacht, dass das der Anfang von etwas ganz Großen werden würde?

Meine Schuhe kamen im Februar 2016 an und von da an wollte ich nichts anderes mehr an meinen Füßen haben. Der Platz für die Zehen! Die dünne Sohle! Das angenehme Wollfutter, das jede Socke erübrigte! Ich begann, mich nun intensiv mit Barfußschuhen und dem bewussten Barfußlaufen zu beschäftigen und war mir immer sicherer, dass das unser zukünftiger Weg werden würde.  Wir brauchen keine Schuhe, die uns „Halt“ geben, dafür haben wir alle unsere Muskeln, die trainiert werden können. Fast alle herkömmlichen Schuhe unterstützen nicht die natürliche Form der Zehen und deformieren diese nach und nach. Die oft angepriesene Sprengung und Dämpfung lässt uns das Gefühl und den Bezug für den Untergrund verlieren. Und es gibt noch so viel mehr Vorteile, die für Barfußschuhe sprechen. Wusstet ihr, dass fast jeder von euch zu kleine Schuhe an den Füßen hat? Das fällt mir immer wieder auf, sobald das Thema bei Freunden oder Familie zur Sprache kommt.

Heute trägt unsere ganze Familie fast ausschließlich Wildlinge, oder „Flitzeschuhe“ wie sie von den Kindern genannt werden. Nur bei wirklich nassem und matschigem Wetter haben wir flexible Gummistiefel mit sehr dünner Sohle. Durch das viele Laufen ohne stützende (oder sollte ich sagen einengende?) Schuhe hat sich mein Fußgewölbe wieder gesenkt, die Zehen sind fast gerade und der Hallux Valgus an beiden Füßen nur noch leicht zu erahnen. Was Orthopäden und ihre Einlagen in Jahren nur verschlimmerten, hat das natürliche Laufen in kurzer Zeit fast beseitigt. Ich laufe nun von Frühling bis Herbst so oft es geht barfuß, habe immer ein paar leichte Schuhe im Gepäck, bin aber froh über jeden Tag, an dem ich sie nicht tragen muss. Auch unser jüngster Sohn zieht bei mehr als 15°C keine Schuhe an. All die Sprüche, Ermahnungen und das Kopfschütteln, dass uns durch andere Menschen entgegen gebracht wird ist ein anderes Thema und unser Fell mittlerweile sehr dick.

Ich bin dankbar für die Wildlinge und ihre Idee von einem minimalistischen Schuh, der sich schon anhand seiner Sohle von vielen anderen Marken abhebt. Würde ich jetzt poetisch werden wollen, würde ich sagen, sie haben mein Leben verändert. Denn durch gesündere Füße steigt die Lebensqualität in großem Maße und auch andere Beschwerden, wie Knie- oder Rückenschmerzen können auf diese einfache Weise behandelt werden.

Ich bin also stolz darauf, dass wir seit einiger Zeit auch ein paar Fotos für Wildling Shoes machen, die es auf Instagram und Facebook zu sehen gibt. Gestern war ich außerdem beim Auftakt-Event des PopUp Sales hier in Berlin und durfte einem spannenden Vortrag über das Barfußlaufen der Barefoot Academy lauschen und viele tolle Gespräche führen. Noch bis Samstag könnt ihr im Laden „FamileinBande“ in der Kastanienallee 98B in aller Ruhe die Schuhe anprobieren und euch selbst ein Bild vom Konzept des Minimalschuhs überzeugen.

Wer nun glaubt, dass das hier bezahlte Werbung ist, den muss ich leider enttäuschen. Ich brenne für dieses Thema und kann es gar nicht laut genug in die Welt hinaus rufen! Und wie so oft lasse ich einfach noch ein paar Bilder sprechen.

Das Gedankenkarussell

Vor einiger Zeit habe ich mir mit den Kindern und unserem Welpen eine kleine Auszeit auf dem Land gegönnt. Aber nicht nur, um ein wenig Urlaub vom Alltag zu machen, sondern auch, um zu testen, wie es ist, dort länger als ein paar Tage zu bleiben. Ob wir es uns vorstellen könnten, dort zu leben.

Seit Langem zieht es uns eigentlich immer weiter raus aus der Stadt. Nach acht Jahren in Berlin hat es für uns Küstenkinder seinen Reiz verloren. Es ist uns zu voll, zu laut, zu viel. Wir wollen ins Grüne, einfach die Tür öffnen und im Wald stehen.
Trotzdem haben wir in den letzten Jahren unseren Mittelpunkt hier aufgebaut, Freundschaften geknüpft, wieder verloren und neue gefestigt.  Die Fotografie läuft toll, Marco hat einen guten Job, wir haben den für uns perfekten Kindergarten gefunden, gute Schulen gibt es in erreichbarer Nähe. Von außen betrachtet scheint alles safe und es fällt mir schwer, sehr schwer, das einfach zurück zu lassen.  Wo findet man den Mut für den Sprung ins kalte Wasser?

Also stecken wir in einem klassischen Dilemma. Das Leben ist kein Ponyhof. Wir sitzen zwischen den Stühlen. Alles Gute ist nie beisammen. Blubb Blubb.

Weil wir uns mit all dem Denken und Grübeln also nur immer weiter im Gedankenkarussell drehten, fuhren wir dorthin, an den Wald, und spürten in uns hinein. Und es fühlte sich so gut an.  So echt und entspannt. Keine Stufen, keine S-Bahn, keine Termine.

Nun haben wir also das Herz, das sagt: ich werde alles vermissen, was wir in Berlin hatten.
Den Bauch, der meint: Los, ab auf’s Land! Es macht euch glücklich!

Und den Kopf, der immer noch völlig verwirrt im Nebel nach der richtigen Lösung sucht.