Darf’s ein wenig wilder sein?

Egal ob es um veganes Essen, Minimalismus oder Sport geht, zurzeit tauchen im Social Media Bereich täglich neue Challenges auf, die dazu animieren, sich selbst oder das eigene Umfeld zu verändern.

Jeden Tag eine neue Herausforderung – das soll motivieren, am Ball zu bleiben und vor allem der Austausch mit Mitstreitern hilft, durchzuhalten. Vor einiger Zeit verlosten die Wildlinge einen Platz in der Challenge „Wild Child: Rewilding Childhood“, die von der kanadischen Onlineplattform WeAreWildness bereitgestellt wird. Wir durften diese Challenge in den letzten sechs Wochen testen und ich möchte euch nun von unseren Erfahrungen berichten.

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Erst einmal kurz zu uns. Das bin ich, Maria, Fotografin und Bloggerin mit meinen beiden Söhnen, die 3,5 Jahre und 7 Monate alt sind. Dazu gehört auch noch Marco, der Papa, der am Wochenende mit uns unterwegs ist. Wir wohnen am Rand von Berlin und unser Großer besucht einen Naturkindergarten. Seit wir hierher gezogen sind, weg von der Innenstadt, sind wir sehr oft draußen unterwegs und erkunden das angrenzende Naturschutzgebiet mit seinen Wiesen und Seen. Die Challenge ist angegeben für Kinder ab 4 Jahre aber wir wollten es trotzdem wagen.

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Die Herausforderungen sind in Wochen unterteilt, jede Woche gehört einem der fünf Sinne. Beginnend mit dem Sehen, geht es weiter mit dem Fühlen, dem Riechen, dem Hören und dem Schmecken. In der sehsten und letzten Woche werden noch einmal alle Sinne gemeinsam auf die Probe gestellt. Zugriff auf die Challenge hat man über die Website mit einem Login (den man nach der Anmeldung erhält). Dort gibt es auch eine (nicht sehr aktive) Community, man kann einzelne Aktivitäten kommentieren und es gibt parallel eine Facebook-Gruppe für den gemeinsamen Austausch. Das Englisch der Aufgaben ist auch als Laie gut zu verstehen und die Aufgaben sind auf der Website immer mit einem eindrucksvollen Foto unterlegt. Das Design ist einfach und verständlich. Hier besteht mein größter Kritikpunkt: vielleicht bin ich etwas Smartphone-verwöhnt, aber ich hätte mir wirklich eine App gewünscht.
Nun sind die Aufgaben mit der Vorgabe verbunden, dass man, wenn man draußen unterwegs ist, das Handy in der Tasche lassen soll bzw. die Internetverbindung unterbrechen soll. Lediglich eine Kamera ist erlaubt. Man soll sich abkoppeln vom Digitalen und wieder mehr mit der Natur verbunden sein, wilder sein. Nun hatte ich das Problem, dass ich mit den Jungs auf der Wiese unterwegs war und mir dann einfiel, dass ich schnell mal nachscheun könnte, was die heutige Challenge ist. Dafür musste ich nun also über den Browser die Website aufrufen, mich umständlich einloggen und den jeweiligen Tag heraussuchen. Das war nicht wirklich praktisch und eher zeitfressend. Ich hätte mich also immer am Vortag oder am Morgen vorbereiten müssen und mir die jeweilige Aufgabe merken müssen. So etwas fällt mir eher schwer, da es hier manchmal recht chaotisch zugeht und mir das meist erst einfällt, wenn wir schon draußen sind. Hier wäre also eine einfache Offline-App zum Nachsehen wirklich hilfreich gewesen.

 

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So, und wie erging es uns nun mit den Aufgaben? Wie sahen diese Aufgaben überhaupt aus?
Sie waren ganz verschieden, meist aber Spiele für zwei Personen oder ganze Gruppen. Die pantomische Darstellung von Tieren ist eher etwas für die Kleineren, das Hören von Vogelstimmen schon mehr für größere Kinder. Sie alle ließen uns aber immer genauer hinsehen oder auch hören, als wir es sonst beim spazieren gehen tun würden. Einige waren leicht zu verwirklichen, so brauchte man für ein Spiel mit Steinen nicht lange nach solchen zu suchen. Andere Aufgaben, wie etwa das Zelten in der Natur oder das Pressen von Blumen benötigen da schon etwas mehr Zeit und Equipment.

 

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Leider hatten auch fast alle Aufgaben eines gemeinsam: unser Sohn hatte keine Lust drauf. Das liegt aber mehr an ihm als an der Challenge, da er sich mit Vorgaben zum Spielen noch etwas schwer tut. Deshalb würde ich die Challenge tatsächlich eher für ältere (oder kooperativere 😉 ) Kinder empfehlen. Viele Sachen habe ich dann einfach allein gemacht und er hat sie sich aus der Ferne angesehen, kam ab und zu mal schauen und ich habe ihm versucht, die Grundideen der Spiele ganz ohne die Regeln beizubringen. Wir haben Pflanzen bestimmt, er hat auch das ein oder andere Blatt probiert und wir haben Dinge im Wald versteckt und gesucht.

 

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Ein Ziel der Challenge ist es, mindestens fünf Stunden wöchentlich draußen zu sein. Diese Zeit schafft unser Sohn jeden Tag im Kindergarten, zusätzlich sind wir meist ein bis zwei Stunden noch zusammen unterwegs. Vor allem mit dieser Vorgabe vor Augen glaube ich, dass wir einfach nicht zur Zielgruppe gehören. Die Challenge richtet sich eher an Eltern (aus der Stadt würde ich sagen), denen ein Grund fehlt, mit ihren Kindern in die Natur zu gehen, denen einfaches Spazieren nicht genügt. Außerdem kann ich mir vorstellen, das Kindergärten, Tagesmütter, etc. sehr von diesen Aufgaben profitieren können und davon einiges in den täglichen Ablauf einbauen können. Denn viele der Tagesaufgaben ließen sich besonders gut als Gruppe umsetzen.

Nichtsdestotrotz hatte ich persönlich viel Spaß daran, meinen Blick wieder etwas zu schärfen und meinen Jungs die Natur näher zu bringen. Seit dem Beginn der Challenge lasse ich das Handy tatsächlich immer häufiger in der Tasche und nehme lieber eine Kamera mit. Somit hatten wir auch einige schöne Nachmittage, an denen unser Sohn und ich zusammen fotografiert haben und dadurch einen ganz anderen, fokussierteren Blick auf die grüne Welt da draußne bekamen. Die Challenge sensibilisiert für die vielen Details, die uns viel zu oft verborgen bleiben, weil wir daran vorbeieilen. Ich möchte mich auch zukünftig wieder mehr darauf besinnen und wieder etwas wilder werden.

Vielen Dank liebe Wildlinge für die Möglichkeit, hier dabei zu sein und natürlich auch für eure Schuhe, die uns auf all unseren Ausflügen begleitet haben!

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