Die Zeit rennt: Babyshooting in Lübeck

Viel zu schnell werden die Kleinsten groß. Also müsste man eigentlich den ganzen Tag, bewaffnet mit Foto- und Videokamera, hinter ihnen her hechten. Einen kleinen dieser vielen tollen Momente konnten wir im September in Lübeck festhalten, den Rest genossen wir dann aber doch lieber ohne eine Linse vor dem Auge.

 

 

Favoriten aus dem Norden

Nachdem wir hier auf unserem Blog einen einigermaßen ausführlichen Reisebericht über unsere Tour durch Schweden und Norwegen in diesem Jahr veröffentlicht haben, gibt es hier nun noch einmal eine kleine Galerie mit unseren Lieblingsbildern dieser Tour. Wir haben besonders in diesem Jahr die Freude an der Naturfotografie entdeckt und werden dies auf jeden Fall weiter ausbauen. Wir sind ja noch jung und haben noch soooo viel Zeit 🙂

Fotografen: Marco Herzog & Maria Buchholz

Motive: Schweden und Norwegen im Spätsommer 2011

Sensommaren i Sverige och Norge 2011 – Der komplette Reisebericht

Wir sind zurück aus der Sommerpause – im Gepäck: massig Erfahrungen, Eindrücke und Bilder. Hier nun der lang erwartete Reisebericht von unserer Rundreise durch Schweden und Norwegen.

Der Plan: drei Wochen mit dem Auto und dem Zelt durch Skandinavien. Dank dem Jedermannsrecht darf man dort für eine Nacht in der Wildnis übernachten, solange man niemanden stört und alles ordentlich hinterlässt. Genau das hatten wir schon 2009 und 2010 mit dem Fahrrad getan und wollten nun aber etwas weiter in den Norden gelangen. Bereits etwa ein Jahr vorher begannen wir neben Studium und Job mit der groben Planung und nun, Ende August war es endlich so weit. Die grobe Route sollte uns entlang der Ostküste nach Stockholm, quer durchs Landesinnere nach Oslo und durch die Berge an Norwegens Fjorde führen. Jedoch ließen wir uns die Details offen, um jeden Tag so zu nehmen, wie er kam. Und genau das stellte sich als die richtige Variante heraus.

Tag I – 25.08.2011 – 0 gefahrene Kilometer

Um etwa 5:20 Uhr machten wir uns in Weitenhagen bei Greifswald auf zu unserer großen Reise. Verschlafen und trotzdem irgendwie aufgeregt fuhren wir nach Sassnitz. Bereits um 7:45 Uhr ließen wir mit der Fähre das deutsche Festland hinter uns – Schweden bereits vor unserem (geistigen) Auge und zum Greifen nahe. In Trelleborg angekommen und somit etwa 321km Luftlinie von Berlin entfernt, gönnten wir uns den Traditions-Cheeseburger, den wir auch mit unseren Freunden in den letzten zwei Jahren zu unserer ersten schwedischen Malzeit zählen konnten. Doch diesmal waren wir allein, um die Zeit zwischen Studium und Arbeit mal ganz für uns genießen zu können.

Auf dem Weg durch den Süden Schwedens konnte sich die Sonne immer erst gegen Nachmittag durch die milchige Suppe kämpfen

Zum Kulturangebot an diesem ersten Tag zählte „Kåseberga  Ales stenar“. Dort steht eine der größten erhaltenen Steinsetzungen, das heißt, dort sind 59 große Felsen in Form eines Schiffes aufgestellt. Nachdem wir also den 39m hohen Hügel „erklommen“ hatten, beeindruckte uns vor allem die mystische Atmosphäre, da der Nebel dick wie Suppe vom Meer den Hügel hochzog und alles verschwinden ließ.

Die Schiffssetzung nahe Kaseberga gehört zu den besterhaltensten Schwedens

Nach einigen weiteren Kilometern machten wir eine kleine Kaffeepause am Surferstrand Borrby. Fast wäre dies auch unser Schlafplatz geworden, aber dann fanden wir ein noch schöneres Fleckchen Erde in der Nähe von Örnahusen. Unterwegs schauten wir uns die Mideltidsborg in Glimmingehus an, deren Innenhof eher an ein französisches Provence-Café erinnerte.

Am Abend versammelten sich auf der Ostsee direkt vor unserem Zelt etwa 300 Wildgänse. Wir hatten schon Angst, vor lauter Geschnatter nicht schlafen zu können, jedoch schwommen die Vögle später so weit hinaus, dass ihre Silhouetten und Geräusche vom Nebel verschluckt wurden. Aber uns sind einige gute Aufnahmen gelungen, die hoffentlich bald in unserem kleinen Dokumentarfilm zu sehen sind.

Tag II – 26.08.2011 – 156 gefahrene Kilometer

Wir wachten an diesem Morgen erneut im Nebel auf. Ohne Frühstück machten wir uns um etwa halb zehn auf den Weg und fanden gegen zwölf Uhr ein gemütliches Plätzchen für eine Fleischbällchensuppe bei Landön. Anschließend fuhren wir zwischen den Seen Oppmannsjön und Ivosjön hindurch und genossen so manch schöne Aussicht.

Unter anderem fanden wir an diesem Tag die kleine Fischräucherei, in der wir bereits 2010 frischen Fisch kauften. Diesmal gab es Lachs und Makrele: ein Gedicht! Auf der E22 ging dann auf etwas schnellerem Weg nach Karlskrona. Als wir streckenweise 100km/h fahren durften, fühlten wir uns regelrecht rasant. Wir fuhren durch Schwedens einzige Barockstadt hindurch und wagten die ersten Schritte in die skandinavische Schärenlandschaft. Vor Karlskrona liegen nämlich fünf bewohnte Inseln. Auf einer von ihnen, Sturkö, blieben wir über Nacht. Da auf der Karte dort ein Militärübungsgebiet eingezeichnet war, waren wir uns etwas unsicher, ob wir dort bleiben könnten. Aber da uns niemand wegscheuchte und die Einheimischen uns auch am nächsten Morgen noch freundlich grüßten, entspannten wir uns etwas.

Tag III – 27.08.2011 – 386 gefahrene Kilometer

Nachdem wir uns auch die restlichen Inseln angesehen hatten, machten wir uns an diesem wunderschönen und nebelfreien Morgen auf den Weg nach Öland. Die längliche Ostseeinsel ist bekannt für seine Windmühlen, von denen immernoch viele erhalten sind.

Dort angekommen ging es zuerst ein Stück nordwärts nach Borgholm, das seinen Namen von einer riesigen alten Burg hat. Der Eintritt war uns zwar zu teuer, aber auch von außen machten die dicken Mauern einen imposanten Eindruck.

Die Mittagszeit verbrachten wir an einem traumhaften Strand bei Lekaka. Zum ersten Mal in unserem Urlaub badeten wir in der eiskalten Ostsee und ließen uns anschließend die Sonne auf den Bauch scheinen. Ich für meinen Teil konnte endlich einmal richtig durchatmen – ganz ohne Pollen, Allergien oder Asthma. Dieses Gefühl werden ich mir, zurück in Berlin, noch oft in Erinnerung rufen.

Dort gab es auch einen kleinen privaten Campingplatz, der für diese Nacht unser Schlafplatz werden sollte. Doch vorher ernannten wir die Südspitze Ölands zu unserem Ziel. Dort befindet sich Schwedens größter Leuchtturm. Leider zog erneut dichter Nebel und später auch Sturm auf, weshalb wir die Aussicht nicht lange genießen konnten.

Tag IV – 28.08.2011 – 696 gefahrene Kilometer

Nach einer gewittrigen Nacht mit schlafraubenden Blitzen und Donner ging es weiter in Richtung Stockholm. Erster Halt an diesem Tag war Västervik. In unserem Reiseführer hatten wir gelesen, dass es dort schöne Bootstouren in die Schären geben soll. Und auch wenn diese Tour nicht unserem Resiebudget entsprach, schien es wie ein Wink des Schicksals, dass wir genau zur letzten Fahrt des Jahres dort ankamen. Also entschieden wir uns dafür und bereuten es nicht. Unsere Hoffnungen, vielleicht ein paar Robben zu sehen wurde zwar leider nicht erfüllt, aber immerhin war es erholsam, nicht selbst fahren zu müssen und sich die frische Seeluft um die Nase wehen zu lassen.

 

Um einen geeigneten Schlafplatz zu finden, mussten wir diesmal sehr lange suchen, wodurch die Frustration zum ersten Mal einen kritischen Punkt erreicht hatte. Letztendlich fragten wir aber einen Bauern, ob wir auf dem Rand seinen Feldes bleiben dürften und er hatte zum Glück nichts dagegen.

 

Tag V – 29-08.2011 – 984 gefahrene Kilometer

Unser lang ersehnter Stockholm-Tag war endlich da. Auf dem direkten Weg fuhren wir am Morgen in die Innenstadt, um dann zu entdecken, dass es der reinste Horror ist, dort mit dem Auto zu sein. Schweden haben eine wirklich unverständliche Straßenführung. Mal sieht man ein Vorfahrtsschild, mal steht es 300m hinter der Straße und mal fehlt es ganz. Und Fußgänger haben immer Vorfahrt. Als wir endlich einen bezahlbaren Parkplatz fanden, hatten wir schon keine Lust mehr auf die Stadt. Zwischendurch waren wir aus Verzweiflung in ein Parkhaus gefahren. Als wir dann schnell zum Bezahlautomaten flitzten, um in Erfahrung zu bringen, wie teuer es dort war, mussten wir entsetzt fesstellen, dass nur 8 Minuten ungefähr einen Euro kosteten. Also schnell wieder raus und was Günstigeres suchen.

 

 

Insgesamt liefen wir fünf Stunden durch die Straßen, in denen sich ein Souvenirladen an den nächsten reihte. Selbst Ende August war die Innenstadt völlig überlaufen mit Touristen. Es waren so viele Menschen und so enge Gassen, dass wir ein ganz beklemmendes Gefühl bekamen. Vielleicht lag es an den ungünstigen Voraussetzungen, mit denen wir in diesen Tag gestartet waren, auf jeden Fall aber hat uns Stockholm enttäuscht.

 

 

 

Bei dem Versuch, einen „Kebab“ zu machen, scheiterten die Schweden jämmerlich. Genau in diesem Moment machte sich das erste Heimweh nach unserer Wahlheimat Berlin bemerkbar.

Wahrscheinlich braucht man für Stockholm mehrere Tage und kein Auto. Bestimmt finden sich dann auch schöne Plätze, an denen man entspannen kann…

Mittlerweile mussten wir immer länger suchen, um einen Schlafplatz zu finden. Oft waren es Privatwege, Wohnhäuser oder direkte Campingverbote, die uns einen Strich durch die Rechnung machten. Letztendlich fanden wir einen kleinen Platz in der Nähe von Bålsta. Auch die Temperaturen ließen ahnen, dass wir uns immer weiter von Zuhause entfernen. Vor allem nachts wurde es richtig frisch und.

Zu dieser Zeit schwankte unsere Stimmung zwischen Abenteuer, Freude und Anstrengung. Jeden Tag fahren und das Auf- und Abbauen des Zelts zerrten an den Kräften und Nerven. Aber wir versuchten, den Frust durch die Vorfreude auf Oslo zu ersetzen. Denn dort wollten wir zwei Tage später sein. Jedoch fehlte uns dort mitten im Land das Gefühl von Freiheit, das wir an der Ostsee so genossen hatten.

Tag VI – 30.08.2011 – 1249 gefahrene Kilometer

Dieser Tag startete zur Abwechslung mal völlig entspannt. Das war mittlerweile aber auch bitter nötig. Unsere Körper dankten uns mit neuem Elan und einer ganzen Portion Motivation. Gut gelaunt traten wir also den Weg gen Oslo an.

 

Wir hätten nie gedacht, dass wir in dieser Jahreszeit solch ein Glück mit dem Wetter hätten. bisher schien an jedem Tag die Sonne und in windgeschützten Ecken wurde es sogar richtig warm.

Nach einer längeren Kaffeepause auf einem Rastplatz, während der wir endlich mal ein paar Postkarten schreiben konnten, fingen wir diesmal schon früh an, einen Schlafplatz zu suchen. Fündig wurden wir direkt am Vänersee, einem der größten Seen Schwedens. An einer gepflegten Badestelle genossen wir ein Bad und den Sonnenuntergang. Ein paar Einheimische boten uns dann sogar trotz Verbotsschildern an, nur weniger Meter weiter unser Zelt aufzuschlagen. Allerdings blieb auch nach fast einer Woche in der Wildnis ein wenig Paranoia, dass wir mal an nicht ganz so nette Schweden geraten. In dieser Nacht sollte es eine Maus oder ein Eichhörnchen sein, das uns glauben ließ, jemand schleiche um unser Zelt.

Tag VII – 31.08.2011 – 1514 gefahrene Kilometer

Als erster Programmpunkt an diesem bewölkten Tag stand Karlstad auf dem Plan. In der Stadt mit der ältesten Steinbrücke Schwedens liefen wir etwa eine Stunde umher und fanden nach langem Suchen einen Briefkasten, um die ersten Postkarten auf den Weg nach Hause zu schicken.

Unser Auto roch mittlerweile dank der ewig nassen Handtücher ähnlich einem Pumakäfig. Auch unsere Stimmung war ab und zu etwas stinkig und wir zickten uns öfter an. Doch auch diesen Umstand nutzten wir zur Motivation: wenn  wir uns nach diesem Urlaub noch lieb hatten, würden wir es auch in allen anderen Situationen packen und unserer nahen Zukunft könnte nichts mehr im Wege stehen 😉

So langsam wurde die Landschaft immer interessanter und wir mussten uns zusammenreißen, nicht andauernd anzuhalten, um Fotos zu machen. Um etwa 16 Uhr passierten wir die Grenze zwischen Schweden und Norwegen. Die Ausblicke, die sich uns nun boten, waren atemberaubend! Tiefe Täler mit spiegelglatten Seen, dichte Wälder und ein blauer Himmel, der viel größer zu sein schien als in Deutschland.

Schon kurz hinter der Grenze fanden wir eine Badestelle mit Liegewiese, Bootshafen und (unbesetztem) Kiosk. Die Aussicht schien das Original einer Postkarte zu sein – keine Frage, hier würden wir über Nacht bleiben.

Tag VIII – 1.09.2011 – 1730 gefahrene Kilometer

Nach einer eiskalten Nacht erwachten wir erneut vom Gechnatter einige Wildgänse, die sich fast direkt vor unserem Zelt badeten.

 

Nachdem wir alle sachen, die klamm geworden waren, getrocknet und das Auto neu gepackt hatten, fuhren wir nach Oslo. Ein einziges Mysterium waren zu diesem Zeitpunkt noch die Mautstellen. Erst später sollten wir erfahren, wo und wie man Maut bezahlen kann und dass man sonst Post bekommt. (Edit: bis jetzt – Mitte Oktober – ist noch nichts angekommen aber das heißt ja noch nix)

Oslo gefiel uns definitiv besser als Stockholm. Die Stadt ist offener, freier und nicht so erdrückend. Außerdem fanden wir einen kostenlosen Parkplatz fast im Zentrum. Die ganze Zeit über schien uns die Sonne ins Gesicht und so schlenderten wir zufrieden durch die Innenstad. Ich musste mir dank der eisigen Temepraturen erst einmal Winterschuhe zulegen und unser Mittag aßen wir im ersten in Norwegen eröffneten McDonalds.

Völlig verrückt sind die Norweger nach Kreisverkehren. Wir dachten schon, dass diese in Schweden beliebt wären aber da ahnten wir noch nichts von dem Kreisel-Wahnsinn – jede Kreuzung! Nachdem wir noch drei Ehrenrunden durch die Stadt gedreht hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. dies gestaltete sich sogar noch schwieriger als bisher. Überall überteuerte Campingplätze und Verbotsschilder auf allen schönen Plätzen – teilweise nur auf deutscher Sprache. Dazwischen Felswände und Häuser.

Kurz vor der Verzweiflung fanden wir einen kleinen Weg, der direkt von der Straße an einen kleinen versteckten Steg führte. Dort blieben wir für diese Nacht und beobachteten einen weiteren wunderschön romantischen Sonnenuntergang. Das liebste Hobby der Skandinavier scheint das Rasenmähen zu sein. Egal wo wir sind, ob mittags um zwölf oder abends um neun, irgendwo wird immer gemäht…

Tag IX – 2.09.2011 – 1877 gefahrene Kilometer

Diesen Tag hatten wir dafür geplant, einmal quer durch Norwegen bis an die Westküste, bzw. zur Spitze eines Fjordes zu fahren. Anschließend wollten wir etwa ein Woche an diesem Fjord verbringen und viel Zeit zum Fotografieren und Filmen lassen. Wir starteten gegen halb 10 Uhr unter einen dicken Wolkendecke Richtung Westen.

Kaum im Landesinneren wurden wir durch Serpentinen, Haarnadelkurven und 12% Gefälle gebremst. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn trotz Motorbremse hielten unsere Bremscheiben die Belastung nicht aus. Wir stutzen bereits, als wir während einer steilen Abfahrt einen seltsamen Geruch in der Nase hatten. Sekunden später, klapperte es laut und Qualm stieg links und rechts an unserem Auto empor. Also hielten wir in der nächsten Grundstückseinfahrt und stellten fest, dass die Bremsen viel zu heiß geworden waren.

Wir entschlossen uns, erstmal zu warten und sie abkühlen zu lassen, Sicherhaltshalber riefen wir auch unsere Techniksprofis (also Papas) zu Hause an, die uns unsere Vermutung bestätigten. Außerdem kam nach einigen Minuten eine ältere Frau die Auffahrt hinunter gestiefelt und erklärte uns, dass das schonmal vorkomme. Wir vertrieben uns also die Zeit, mit dieser sehr netten holländischen Norwegerin auf Englisch ein wenig zu quatschen. Ich sage es immer wieder: Je mehr Sprachen man spricht, umso mehr hat man sich zu sagen.

Den Rest des Berges ließen wir uns runterrollen und machten im Tal eine längere Pause. Wir mussten an dieser Stelle, mitten in Norwegen, leider feststellen, dass das Land für uns und vor allem für unsere Ausrüstung ein wenig zu extrem ist. Deshalb brachen wir die Tour auf halber Strecke zwischen Oslo und Stavanger ab und fuhren südlich Richtung Kristiansand.

An diesem Tag sahen und erlebten wir soviel, dass es schwer ist, dies alles in Worte zu fassen. Unter anderem wurden wir von zwei Schafen verfolgt, haben eine lange Pause an einem Wasserfall gemacht und fuhren über eine Hochebene (etwa 800m), die uns erneut den Atem raubte. Aber ich rede jetzt doch lieber weiter in visueller Form:

#

Tag X – 03.09.2011 – 2157 gefahrene Kilometer

Der Tag begann nass. Die ganze Nacht hindurch hatte es geregnet und wir mussten alle Sachen so wie sie waren ins Auto packen. Da wir so schnell wie möglich die bergigen Straßen verlassen und nach Schweden zurück wollten, fuhren wir – wenn möglich – auf den großen Straßen. Allerdings zog dies natürlich mehr Maut nach sich. Aber wir hatten wegen der Probleme mit den Bremsen keine Wahl und mussten nun etwas tiefer in die Urlaubstasche greifen.

Dafür haben wir an diesem Tag endlich (!) einen Elch gesehen. Ich hatte schon alle Hoffnung aufgegeben und quieckte nicht mehr vergnügt auf, sobald ein Warnschild am Straßenrand auftauchte. Und dort stand er: kaute genüsslich sein Gras direkt an der Straße. Wir sind insgesamt fünf Mal an ihm vorbeigefahren, da man dort nicht anhalten konnte. Beim ersten Mal hatte ich natürlich nicht schnell genug die Kamera draußen, auf dem Rückweg haben wir ihn nicht mehr gesehen, weshalb wir beim dritten Mal die Kamera schon wieder weggepackt hatten. Bei der vierten Fahrt habe ich ihn gefilmt (natürlich verwackelt) und beim fünften Mal fotografiert (natürlich unscharf). Aber man erkennt, dass es ein Elch war…

Im Allgemeinen kam uns dieser Tag aber wie nichts Halbes und nichts Ganzes vor. Wir waren zwar mehr Kilometer gefahren als bisher aber es schien, als würden wir nicht vorwärts kommen. Die graue Wettersuppe, die den ganzen Tag vorhielt und die ewig gleiche Landschaft im Süden drückten auf unsere Stimmung.

Einen Schlafplatz entdeckten wir an einem Anglerplatz in der Nähe von Svelvik. Dort fanden wir zwischen den Steinen an Land zwei Seesterne. Einer war leider schon tot, doch der andere begann – als wir ihn in einen Eimer Wasser legten – wieder an, Reaktionen zu zeigen und sich zu bewegen. Am nächsten Morgen entließen wir ihn wieder in den Fjord und hofften einfach mal, eine gute Tat vollbracht zu haben.

Tag XI – 04.09.2011 – 2565 gefahrene Kilometer

Erneut ein Tag, der grau und regnerisch begann. Aber wir hatten immerhin die Motivation, nachmittags wieder in Schweden zu sein. Kurz vorher scherzte Marco noch, dass in Schweden wahrscheinlich wieder die Sonne scheine, vielleicht sogar direkt hinter der Grenze. Seine Worte in Gottes Gehörgang: direkt einen Kilometer vor Schweden riss die Wolkendecke auf, die Sonne schien und es war sofort gefühlte fünf Grad wärmer.

Wir fühlten uns direkt wohler und irgendwie auch heimischer. Als Deutscher ist man schnell darin, die Skandinavier zu verallgemeinern. Doch vor allem in der Mentalität gibt es zwischen Schweden und Norwegern wirklich große Unterschiede. Sind die Schweden schon zurückhaltend und in keinster Weise aufdringlich, kann man die Norweger schon fast als zurückgezogen bezeichnen. Was beide Länder jedoch gemein haben: wenn das Eis erst einmal gebrochen ist, wird einem mit sehr viel Freundlichkeit begegnet, weshalb es uns immer wieder in Norden zieht.

Auf unserer Tour kamen wir nun in das Städtchen Strömstad und machten dort etwas länger Halt. Anschließend ging es auf die Schäreninseln. Unter anderem besuchten wir Tänsjö, auf der sich ein Naturreservat befindet. Nach einem kurzen Waldspaziergang erreichten wir dort einen wunderschönen Strand und konnten durch flaches Wasser sogar zu einer gegenüberliegenden Insel gelangen. Einen Schlafplatz fanden wir in einem kleinen Waldweg am See, kurz bevor ein Sturm begann…

Tag XII – 05.09.2011 – 2867 gefahrene Kilometer

Die ganze Nacht hindurch regnete es und auch, als wir packen und losfahren wollten bzw. mussten, hörte es nicht auf zu schütten. Einen Großteil des Tages verbrachten wir in Uddevalla mit der Hoffnung auf besseres Wetter. Als es nachmittags immer noch regnete, waren wir kurz davor, aufzugeben und nach Hause zu fahren. Zum Glück taten wir es nicht.

Kurze Zeit später erreichten wir eine tolle Badestelle und selbst mich Frostbeule zog es in den eiskalten See. Auch wenn dieser Tag anfangs vermurkst schien, gab es, wie schon so oft, irgendetwas, das ihn rettete und uns davon überzeugte, unseren Urlaub fortzusetzen.

Tag XIII – 06.09.2011 – 3037 gefahrene Kilometer

An diesem stürmischen Tag stand die zweitgrößte Stadt Schwedens auf dem Plan: Göteborg. Überraschend entspannter Verkehr und ein günstiger Parkplatz machten uns die Stadt von Anfang an sympathisch. Genau dieser Eindruck bestätigte sich auch in den folgenden drei Stunden, in denen wir durch die Stadt schlenderten. Zwischendurch ließ sich sogar ab und zu die Sonne blicken.

Während wir vor dem Kunstmuseum mit Blick auf die Stadt saßen, konnten wir den bisherigen Urlaub noch einmal Revue passieren lassen. Es war nicht zu leugnen: der Herbst mit seinen Stürmen und unberechenbarem Wetter hatte Einzug in Schweden gehalten und versuchte uns zu verscheuchen. Jedoch hatten wir schon so viele neue Eindrücke gesammelt, dass wir uns dazu entschieden, den Urlaub um eine Woche zu verkürzen und nun die Heimreise anzutreten. Aber wir beschlossen, wieder zu kommen: jedes Jahr. Wir hatten nun durch diese Rundreise viele verschiedene Regionen Skandinaviens gesehen und würden uns demnächst einzelne Orte raussuchen, um sie genauer zu entdecken. Wir haben ja noch ein ganzes Leben vor uns, das wir versuchen werden, so oft es geht, im Norden zu verbringen.

Tag XIV – 07.09.2011 – 3251 gefahrene Kilometer

In dieser Nacht taten wir kaum ein Auge zu. Es regnete und stürmte die ganze Zeit. Dies bekräftigte uns in der Entscheidung, nach Hause zu fahren. Zwischendurch schauten wir noch einmal beim Kullaberg vorbei. Dort mussten wir aufpassen, nicht weggeweht zu werden.

Gegen Nachmittag erreichten wir Trelleborg und bekamen am Ticketschalter sogar noch vergünstigte Tickets für den Abend. Also schrieben wir schnell noch die letzten Postkarten, erledigten den obligatorischen Einkauf, um den Lieben zu Hause ein Stückchen Schweden mitzubringen und verabschiedeten uns ganz entspannt von unserem Urlaub.

Mitten in der Nacht kamen wir wieder auf deutschem Festland an uns ärgerten und zuerst über die rasenden Autofahrer auf dem Heimweg…

Insgesamt: 3505 gefahrene Kilometer

Dies war definitiv unser spannenster Urlaub. Auch wenn wir teilweise an unsere Grenzen gerieten, versuchten wir das Beste daraus zu machen und sahen dadurch mal eine ganz andere Seite Skandinaviens. Beim nächsten Mal werden wir besser gerüstet und vorbereitet sein, um uns vielleicht sogar noch weiter in den Norden zu wagen. Außerdem werden wir uns dann mehr auf einen Dokumentarfilm konzentrieren, den wir diesmal eher experimentell gedreht haben. (Er wird noch zusammen geschnitten und ist dann auch bald hier auf unserem Blog zu finden.)

Hinzu kommt, dass wir seit drei Wochen einen Schwedischkurs besuchen, um endlich mehr sprechen zu können, als „Fünf Brifmarken bitte“.